Wale: Update 2

Ich habe News (vieles davon dank der letzten Ausgabe der Lokalzeitung The Orcadian). Da war ich also am Wochenende mit einer Fähre gen Norden gefahren zwei Stunden lang. Dort, auf Westray, landeten 1983 auch 36 Pilot whales und kamen nicht mehr flott. Und auch ein anderer Wal kam (erlegt oder freiwillig?) an Land und sein Skelett liegt seither im Garten des lokalen Museums.

Dort, wo vorletzte Woche die anderen Wale strandeten (auf Sanday), kam es übrigens vor genau 20 Jahren zum D-Day für elf Pottwale (das sind die mit dem grössten Gehirn aller Lebenwesen und 3000 Litern Walrat oder Spermaceti im Kopf, das als Brenn- und Schmiermittel breite Verwendung fand); Europas grösste Wal-Landung dieser Walart. Auch damals wurde die Entscheidung getroffen, die Wale an Land zu begraben. Also begann man ein Loch zu graben, fand aber eine bisher unbekannte Wikingersiedlung und musste einen anderen Ort suchen. Noch dümmer lief es auf Stronsay (ja, eine andere Insel hier; alle Inselnamen enden auf -ay für … da lasse ich euch etwas raten): Da kam es 1950 zur Landung von 96 Pilot whales. Da wurden alle Fischerboote mobilisiert und die Kadaver wurden aufs Meer hinausgeschleppt. Nur: Wind und Wellen spülten viele davon an die Küsten von fünf anderen Inseln. Zu deren grosser Freude. Jemand schlug dann vor, die Kadaver mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Aber die meisten wurden dann einfach verbrannt.

Zurück zu den eben gestrandeten Walen. Die waren, sagten die Pathologen, sehr gut im Saft, sie fanden in deren Bäuchen eben gefressene Tintenfische. Vielleicht sind sie vor ihren natürlichen Feinden, den Orcas, zu weit Richtung Strand geflüchtet, oder die Herde hat sich um ein desorientiertes Tier geschart und wollte ihm helfen, was aber ins Desaster geführt hat. Also geht das Werweissen weiter (ist ein wenig wie bei der Archäologie – wenige Fakten stehen zur Verfügung, um Annahmen zu plausbilisieren, aber die Versuchung, gewisse Dinge anzunehmen, ist zu gross …).

Und Westray hat einen wunderschönen Strand, in dessen Nähe auch eine Steinzeitsiedlung gefunden wurde, die aber langsam und sicher von Dünen und dem Meer gefressen wird.

Und dahinter ein Golfplatz und die Aussicht zum Leuchtturm (erbaut in der Tradition der schottischen Turmbauer-Dynastie Stevenson, dessen letzter Spross dann nicht mehr Licht aufs Meer hinaus, sondern mit Dr Jekyll and Mr Hyde Licht in die dunklen Ecken der menschlichen Psyche gebracht hat).

Und nächstens erzähle ich, was sich hinter der Türe dieses den Männern vorbehaltenen Schuppens verbirgt.

Ein Kommentar zu “Wale: Update 2

  1. ich will lösen: zuerst Danke fürs Update! Sehr spannend. -ay steht natürlich für Island – nur brachten das wohl auch schon die alten Schotten nur nuschelnd über die Lippen.

    Grüsse gehen hoch nach Orkn-Island. Und danke für den cliffhanger, schon ein Blog-Profi, unser Dominik.

    Sibylle

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