Auf dem Weg

Am Morgens um 8 gehe ich aus dem Haus, also aus der kleinen Holztüre rechts. Mein kleines Refugium ist unter dem Dach des Hauses rechts.

Dann einmal links in die Hauptstrasse von Kirkwall einbiegen. Der Begg ischimfall kein Begg, sondern ein Schuhladen. Und einen solch blauen Himmel haben sie hier seit Wochen nicht mehr gesehen. Und ja, die Strassen sind dann noch fast leer.

Am Laden der lokalen Brauerei vorbei. Vorbeigekommen sind auch die Hipster-Kultur-Propheten, denn hier werden nicht nur die sechs Biere, die sie brauen, verkauft, sondern auch jede Menge Erlebnisse. Und „Peedie“ heisst hier nicht eine Quick-Pedicure, sondern einfach „klein“.

Dann am kleinen Waschsalon vorbei, der beim Coiffeur-Marketing-Büro einen Namen bestellt und halt das gekriegt hat, das er verdient. Aber die Waschmaschinen und Tumbler funktionieren.

Hier war vor sieben Jahren eine Buchhandlung mit Zeitungen, aber wer braucht solche Dinge noch? Ergo alles leer. Und ich ohne Zeitung (Vorderhand. Am Abend andere Quelle entdeckt.)

Vorbei am vor über 100 Jahren gepflanzten Baum, den sie hegen und pflegen wie englische, pardon, schottische Gartenfreaks. Aber falls er stirbt, soll es für Orkney schlimm werden. Wollte anregen, dass evtl. ein wenig mehr Erde rund um die Füsse gut tun könnte, aber die werden schon wissen, was sie tun

Dann kommt noch der Hipster-Laden der einen Whisky-Brennerei hier oben (Highland Park – die andere ist Scapa).

Dann bevor man zur St. Magnus-Kathedrale gelangt (praktisch eine Kopie des Basler Münsters, aus rotem Sandstein, gleiche Epoche, minus ein Erdbeben und plus Kriegsmemorabilia), dann scharf rechts. Bisher ist noch keine ganze Minute vergangen seit der Haustüre.

Vorbei an der Aussenstelle von BBC, wo sie jeden Tag eine Art Regionaljournal machen. Mit einem der Journalisten arbeite ich in diesen Wochen zusammen. Der kennt alle und alles hier, sehr interessant.

Dann noch bei den Freimaurern vorbei, das sind die mit dem Auge im Zirkel und mehr Symbolen, als ein Vorbeigehender aufnehmen und enträtseln kann. Aber das liegt wahrscheinlich am Wesen der Freimaurerei.

Und schon ist der kleine Bushof erreicht. Das Team, das man joinen kann, ist die Busgesellschaft.

Dann also rein in den Bus. Wochenabo für 30 Pfund, für uns Schweizer nix, für andere ein kleines Vermögen.

Und dann geht es vorbei an den ökonomischen Grundlagen des Lebens hier (von links nach rechts in der Rangfolge der Bedeutung): Tourismus (hier in Form eines 2000 Personen-Kreuzfahrtsschiffs, das heute in der früh die wohlhabenden Aelteren aus Kalifornien ausgespuckt hat), dann Energie (Wind und Wellen), Rinder und Kühe und Schafe. Wie ich die Subventionen fotografieren sollte, fiel mir nicht grad ein.

Dann aussteigen bei den Steinen – Mist, das halbe Schiff ist schon da – deren Privatbus war schneller …

Dann noch einen Stein passieren, und schon werde ich da sein. Links oben.

Und so sehen die schönsten Standing Stones der Welt aus, wenn die Leute weg und die weissen, wolligen Rasenmäher noch nicht da sind: vor 5000 Jahren aufgestellt, mehrere Meter hoch, total elf an der Zahl (drei noch vorhanden). Die darf man sich durchaus auch bemalt vorstellen, mit Tüchern, Bändern und anderem verziert und, weil sie so breit sind, mit einer guten Akustik. Deshalb wohl für vieles einsetzbar, was die prähistorischen Bauern damals so trieben.

3 Kommentare zu “Auf dem Weg

  1. Schön zu lesen und auf den Punkt gebracht, deine Ortsbeschreibung. Die Standing Stones sind grossartig. Danke für den Blog u gerne mehr davon.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Stefan Antwort abbrechen