Aufräumen und abräumen

Letzte Woche kam noch einmal ein Bauer vorbei beim Dig und brachte nochmals 200 Pneus; er war wahrscheinlich froh, die gratis und franko weg von seinem Hof zu haben. Verbrennen geht heute nicht mehr und fürs Silo brauchen die Bauern die Pneus auch nicht mehr. Also ab zum Dig. Dort haben wir am Donnerstag und Freitag die Gräben wieder zugedeckt, die Mauern gestützt mit Sandsäcken und winter- und windsicher verpackt. Zum Glück bei schönstem Wetter.

Dabei kam es aber auch zum ersten Mal seit ich hier bin (oder ich merke es zum ersten Mal) trotz einer ansonsten sehr kooperativen Stimmung und nur wenigen klaren Vorgaben zu eher mühsamen Diskussionen um richtiges Vorgehen bei der Abdeckung, über optimale Auswahl der Deckplastikbahnen, die richtige Reihenfolge. Und weil dann immer grad so 10 Leute jeweils ihren Standort wechseln müssen, oder man rasch mal wieder 50 Pneus wieder umlagern muss, war das nicht nur toll. Aber es waren etwas viele Köche dabei. So warteten wir immer wieder mal in Einerreihe, parat zu was immer folgen sollte.

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In der Mittagspause sagte die Projektleiterin Anne von der Uni, dass jemand aufstehen müsse und was kriegen sollte. Sie schaute mich an. Ich schaute, wer hinter mir sass, dort lag nur ein Hund. Also, dachte ich, der Hund versteht das ja wohl nicht, und wollte ihm schon einen Schubs geben, er solle gefälligst aufstehen … aber offenbar war ich gemeint. Ihrer kurzen Rede Sinn war, dass ich eine Flasche Whisky erhalten sollte, weil ich soviel gearbeitet hätte und einfach verfügbar und da und so und von weit her und … (Däni, der jene Woche da war und den ich überredete, doch beim Pneurollen zu helfen, und also Zeuge war, wird kein Wort darüber verlieren, da sonst unsere schöne 41jährige Freundschaft zu einem abrupten Ende käme). Der Whisky schmeckt vorzüglich und ich werde die Flasche leer trinken, alleine, bevor ich die Rückreise antrete. Den teile ich mit niemanden. Ein so überraschendes Geschenk habe ich noch nie erhalten. Achtung, Start Kitschgefahr: Habe ich ein Glück; dieser Ort berührt und rührt mich nun doch mehr, als ich je gedacht hätte. Die Klösse im Hals beim Verabschieden von allen waren vielsagend, ich war’s nicht mehr. Schluss Kitschgefahr.

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Und dann war Abflug vom Ness of Brodgar 2017!

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Am Abend dann reichte es noch für eine rasche Busfahrt nach Stromness an die Westküste (genau: dort, wo an diesem wolkenlosen Tag die Sonne im Meer versäuft und eine andere Kitschgefahr heraufbeschwört). Nach 40 Minuten zu Fuss waren wir vorne beim Friedhof am Meer.

Das goldene Schiff kam zurück von der Suche nach dem goldenen Vlies, der Kapitän hatte vier goldene Hochzeiten vorgenommen an Bord, Evil Knievel mit einem goldenen Fallschirm ausgeholfen; der Bordschreiner gemäss der goldenen Regel eine neue Kabine im goldenen Schnitt gezimmert, damit der goldene Mittelweg besser begehbar sei.

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Und wenn die Sonne auch ein Bild gemacht hätte, hätte sie nun zwei karierte Hemden mehr für ihre Sammlung «Schweizer im Ausland».

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