Und es kam der gefürchtete Tag, an dem die Arbeitsroutine, bis aufs Begraben der Gräben, dann auch wieder ein Ende fand: Am 23. August fanden die letzten Arbeiten statt, war die Ausgrabung das letzte Mal geöffnet. Die zwei Monate Grabungszeit (seit Anfangs Juli) sind das Maximum pro Jahr. Mehr liegt wegen Geldmangel nicht drin, und ausserdem wären in den anderen Monaten Freiwillige noch schwieriger zu finden, und interessierte Touristen wären auch weniger vor Ort. Von denen nahmen wir im Schnitt 3 Pfund pro Person ein, obwohl alles gratis ist. Und so viele wie dieses Jahr kamen noch nie – über 20’000, also über 300 pro Tag.
Also gab es manches zum letzten Mal an jenem Mittwoch. Ein Tagesrapport der sentimentalen Art. In grau. Genau.
Letztes stummes Zunicken und gepflegtes Schlangenstehen an der Busstation in Kirkwall um knapp nach acht. Von den anderen der Ausgrabung reiste praktisch niemand mit dem Bus an, die kamen vom College mit einem Minibus oder den eigenen Autos aus anderen Richtungen an.

Den Bus bei einer Strassenkreuzung verlassen und versuchen, lebendig über die Hauptstrasse zu kommen, wo wahrscheinlich das längste Stück schnurgerader Strasse der Inseln (ohne blind summits und passing places) das zum manchmal nicht grad trivialen Frühsport machte.

Der letzte zehnminütige Spaziergang dieser Strasse entlang.

Mit neugieriger und grossäugiger und freundlicher Begleitung.

Das letzte Mal den meiner Meinung nach schönsten Ort dieser Insel durchqueren und die Steine ganz alleine für mich zu haben, bevor die Busse einfahren und ihre Horden entlassen.

Das letzte Mal diesen komischen Schafen begegnen, denen ein Horn aus dem Schädel zu wachsen scheint, und die das Green rund um die Standing Stones of Stenness pflegen.
Und wenn ich mal vergass, wo der Pendlerweg durchführt, hätte ich mich an diesem Stein orientieren können, der hier seit 5200 Jahren zu Wege bittet.
Zum letzten Mal unter den 42 Odettes die Odile suchen (die es tatsächlich gibt und die an manchen Tagen gut zu sehen war).

Zum letzten Mal auf dem kleinen Damm zwischen Meerwasser-See links und Süsswasser-Meer rechts gegen den Wind und um Platz kämpfen.

Der letzte Gruss an die weggewehte Mütze, die da seit Monaten im Loch liegt.

Das letzte Mal den Personaleingang zur Ausgrabung nehmen. Auch da stehen zur Orientierung wieder zwei Standing Stones, die schon andere zum richtigen Ort geführt haben.

Die letzten Gedanken zum Parkplatz auf der anderen Seite, zum Herdentrieb, zur ewigen Angst der Fahrer von weissen SUVs, auf der Wiese zu parkieren, zu Taxis, die 20 Minuten mit laufenden Motor auf Gäste warten, zum Morast nach Regentagen, in dem in zwei Monaten nur ein Wohnmobil stecken blieb.
Der letzte Lunch im Schutz des Shops, da draussen sich das Graue in Tropfendes verwandelte.

Das letzte Nachdenken über touristische Infrastrukturen, über schlaues Verhalten in Passing Places, letzte Bewunderung für Schofförskünste und Schöfforsseelenruhe und letzte Gedanken zum aufziehenden Grau im Himmel und in der Seele (ja, ok, das ist ein wenig übertrieben, aber melancholisch gestimmt war ich schon).

Letzte Blicke ins windgeschützte und in die Jahre (4980) gekommene Büroprovisorium von Simon.

Letztes Zusammenkneifen der Augen, um Gräben und Mauern und Steine und Böden und Schichten und Strukturen und Gebäude und Zwischenräume und Formen und Umgänge und Drainagen und Ecken und Herde und Pfostenlöcher und Begrenzungen nochmals gut anzuschauen. Aber eigentlich schau(t)e ich nie bloss, sondern staun(t)e.

Und vorüber war’s.
Cheers!
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