Jetzt, da der Ernst des Sabbaticals beginnt, gibt es wieder eine Leitplanke für den Alltag: einen Arbeitsweg. Wenn ich 9 Uhr am Ausgrabungsort sein will, nehme ich den Bus kurz vor acht. Der fährt eine Minute zu Fuss von meiner Wohnung entfernt ab. 25 Minuten später dann steige ich an einer Strassenkreuzung aus und gehe 15 Minuten zu Fuss. Dabei begleitet mich jeden Morgen diese Rinderherde. Ich stelle mir ein Rindergedächtnis vor wie die Endlosschlaufe des Filmes mit dem Murmeltier: jeden Tag sieht es um viertel nach acht einen Spaziergänger dem Feld entlang wandern und denkt – falls das Denken ist: Was ist das? Habe ich noch nie gesehen, das muss ich anschauen (beschnuppern, abschlecken, anschnaufen) gehen, und am besten ist wohl, wenn wir da in der Herde hingehen; was sag‘ ich, wir rennen hin und bleiben dann aber plötzlich stehen und versuchen, das da zu hypnotisieren, indem wir alle gleichzeitig schauen, und nach 5 Sekunden machen wir wieder etwas anderes …

Und etwas weiter hinten gibt es Sicht auf die Hügel der Nachbarsinsel Hoy. Der Salzwasserteil des Lochs hat an vier Tagen im Jahr, wenn aller Wind anderswo gebraucht wird, eine spiegelglatte Oberfläche.

Und rechts kommt dann:

Dann noch über eine kleine Brücke.

Nichts gegen die Leimenstrasse oder den Spalenberg, aber dieser Weg zur Arbeit ist derzeit konkurrenzlos.
Die öffentlichen Verkehrsmittel in Schottland sind ja seit geraumer Zeit privatisiert, mit allen Vor- und Nachteilen. Gestern und heute waren wir jeweils immer genau die gleichen vier Personen im Bus, mit dem gleichen Bus-Chaffeur, aber mit zwei unterschiedlichen Bussen. Das weiss ich, weil beide eine Panne hatten. Aber nach zehn Minuten stand der Ersatz da. Und weiter ging die Reise. Der Chaffeur behauptete, das habe nichts mit ihm zu tun.
Das Busunternehmen bietet Routen in ganz Schottland an und bietet eine App an, auf der Tickets bezahlt und angezeigt werden können. Nur: die Zentrale hat nicht bedacht, dass hier ausserhalb von Kirkwall das Mobilenetz so schlecht und schwach ist, dass die App gar nicht funktioniert. Einsteigende Touristen also zücken ihr Mobile, wollen dem Chauffeur ihr Ticket, das sie auf dem Mobile gespeichtert haben, zeigen, aber das geht eben nicht. Der Chaffeur lässt die Leute ein wenig schmoren, fährt ab und sagt dann, dass er das Billet in Kirkwall kontrollieren werde.
Am Samstagspätererabend war kein Papier für die Billetmaschine im Bus mehr da: Freifahrt für alle.
Pingback: Anschluss unter dieser Mauer | Dominik on Orkney
Ich vermisse auf deinem Arbeitsweg ein wenig die Baustellen. Habt ihr auf Orkney keine Tramgeleise zu erneuern?
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Der Arbeitsweg ist wirklich top, gefällt mir (bei dem Wetter 😉 )
Ich würde ja gerne ein paar Fotos von meinem posten, der ist auch nicht ohne 😉
Alles Gute beim Ernst des Sabbaticals, jetzt geht’s los !
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