Update John. Joined by James

Stromness ist mit rund 3000 Einwohnern nach Kirkwall der zweitgrösste Ort der Orkneys. Mit dem Bus etwa 1/2 Stunde entfernt, vorbei an rund 450 neugeborenen oder noch sehr kleinen Schafen, die alle mit je einer Mutter (meist alleinerziehend), siebenundfünzig Tanten und einigen Grosstanten weisse Flecken ins nassgrüne Wiesenland zaubern. In Stromness also war ich eben, und da hat es ein Museum, das ist mal wieder ein richtiges Museum – dunkler Eingang, eher geschwätzige Dame hinter einer Theke und das Ticket ist sieben Tage lang gültig («come again» ist deshalb auch der logische Abschiedsgruss). Und das Museum hat einfach alles zur Geschichte des Ortes, alles zu John Reas Expeditionen, ein Inuit-Faltboot, vielerlei Afrikanisches von einem, der vor zweihundert Jahren am Niger war, allerlei Devotionalien aus dem ersten und zweiten Weltkrieg (darunter eine Fahne, die auch der abgewählte Walliser in seinem Keller aufhängen würde), die Hafenbücher der letzten 300 Jahre, eine vollständige Sammlung ausgestopfter Vögel und Säugetiere der Insel, eine Sammlung Muscheln, die wichtigsten Schiffe von dort oben als Modelle und noch so vieles wie zum Beispiel ein Porträt und die Harpunen des letzten lokalen Walfängers. Das alles auf rund 180 Quadratmetern. Da kriegen andere Museen grad mal ein bis zwei Hepworth (ok, die sieht man hier im anderen Museum 100 Meter entfernt) oder ein Holbein-Porträt unter. Und alles ohne einen einzigen Bildschirm, keine Mechanik geschweige denn Elektronik, nix kann berührt, gedreht, andersrum oder von näher betrachtet werden. Einfach nur schauen (soweit das Licht reicht). Ein Museum, das die drei Funktionen von Museen (Ausstellen Sammeln, Ausstellen Erforschen, Ausstellen) irgendwie oder irgendwie doch nicht … aber sehr sympathisch. Und es wurde 1995 zu einem der besten Museen Schottlands gewählt. Hm … ist ja aber auch schon wieder 20 Jahre her.

In Stromness hatten viele der Lagerschuppen und Häuser am Meer eigene kleine Piers zum rascheren Abfertigen. Und alles ist nahe ans Wasser gebaut, weil es keine schützende Hafenmauer braucht, da rundherum nur Insel und Bucht ist, und kein offenes Meer.

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Einige dieser Boote fahren die Taucher raus in die Bucht, die ein regelrechter Schiffsfriedhof ist. Und das kommt so: Ende des ersten Weltkriegs, die deutsche Regierung hat noch nicht ganz kapituliert, wurden die 74 deutsche Kriegsschiffe der Kaiserliche Hochseeflotte hier interniert und deren Matrosen bis auf eine Rumpfbesatzung nach Hause geschickt. Der deutsche Konteradmiral kriegte nicht mit, dass seine Regierung zuhause nun alles unterschrieben hatte und befahl die Selbstversenkung. Die letzten Matrosen drehten die Ventile auf, als sich ihre Bewacher auf Manöver begaben, und schon waren innerhalb von sechs Stunden die 74 Schiffe auf dem Meeresgrund. Unbrauchbar. Ausser für einen findigen schottischen Ingenieur, der dem britischen Staat die Wracks abkaufte (ungehoben), sie dann mit Druckluft hob und mit dem Stahl ein gutes Geschäft machte. Nur sieben Schiffe (und das waren rechte Kähne, die kaiserlichen Welteneroberer wussten schon, wie rechte Schlachtschiffe zu bauen waren) liegen noch auf dem Grund. Der Rest weg, wiederverwertet. Und der zweite Weltkrieg war dann wieder für ein paar zusätzliche Wracks besorgt (wer weiss, ob einige Tonnen rezyklierten Stahls hier ein zweites Mal auf Grund gingen).

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An der dem Hafen am nächsten gelegenen Quelle hat so manches berühmte Schiff halt gemacht und Wasser getankt. Dass Franklin da war, war zu erwarten. Dass aber auch James da war, überrascht nun doch, das ist ja nicht wirklich seine Richung. Aber vielleicht waren es, und das Schild sagt es ja irgendwie auch, auch nur Cooks Schiffe, die da waren. Die «Terror» haben übrigens findige Leute letztes Jahr im Norden Kanadas gefunden. Was wiederum zu neuen Geschichten führt.

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2 Kommentare zu “Update John. Joined by James

  1. Pingback: Es muss sein: Wieder in die Arktis | Dominik on Orkney

  2. Hoi Domi, also, das mit der Statue geht so: es ist eigentlich das Gesicht (und der Schnauz) von William Wallace und wenn man auf die Statue hochklettert, sieht man der Queen höchstpersöhnlich in die Augen 😉

    Lieber Gruss, Lars & family

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