Nun, vielleicht noch nicht das Ende des Blogs, aber trotzdem ein Ende. Am letzten Abend – gestern also – nochmals per Bus und pedes zu den Steinen: Zuerst die Standing Stones of Stenness. Dort ist immer Stimmung, heute halt Abschieds.

Dann bei den Pneus vorbeischauen:

Pneu 341 ist wegen Wind schon etwas verrutscht, und in Pneu 84 hat sich Familie Ratte Ratzinger schon wieder ihr Winterquartier eingerichtet.
Und dann die kleine Wanderung hoch zum Ring of Brodgar.

Die 27 Steine stehen noch immer im Kreis und machen Vieles, vor allem aber Eindruck. Danach gabs einen letzten Fish im Pub dort im Niemandsland zwischen Kirkwall und Stromness. Im Bus danach musste der zweite Passagier unbedingt eine Rugbypartie am Radio hören. Ja, woher er dieses Transistorradio, tragbar, mit Lederschlaufe, hatte, bleibt mir ein Rätsel. Aber viel Altes bleibt ja liegen auf diesen Inseln. Auf alle Fälle plärrte das Radio resp. die beiden Radioreporter derart laut, dass auch ein mit kreissägenden Schreinerlehrlingen vollbesetzter Bus die Partie hätte mitverfolgen können. Und zuhause ging es dann fast so weiter, da Kieran unten wieder mal seine Freunde eingeladen hatte, um ihnen seine neue Stereoanlage vorzuführen (zwei wurden ihm von der Polizei schon konfisziert, sagte mir eben die Landlady). Da seine Freunde aber bis Morgens um eins zu tun hatten, konnten sie erst so auf die halb zwei am Morgen kommen. Danach lärmten sie mit der Stereoanlage um die Wette, was wenigstens das monotone Bass-Gewummere anreicherte. Mein letzter Abend; da liess ich 105 Dezibel gerade sein. Andere Male blieb mir der Blick in die wegen labilem Gleichgewicht leicht schiefen Gesichter, die auf meine Pijamahosen starrten, nicht erspart. Aber auf INseln musst du mit deinen Nachbarn irgendwie auskommen, da hilft nichts.
Heute morgen dann putzen und saugen und entsorgen.

Und noch ein letzter Spaziergang, Hauptstrasse rauf und runter, Kathedrale rein und raus und zum Hafen zu den beiden Lieblingsfähren.
Und nochmals ein Blick von unten auf meine kleine Wohnung unter dem Dach.

Und noch immer hielt sich die Lust, doch endlich vorwärts zu machen, in Grenzen.
Irgendwann war es geschafft, die Landlady kam, nahm die Wohnung ab, nachmittags kamen schon die nächsten Mieter (offenbar Doctors, die hier auf den Inseln arbeiten werden bis Ostern; der eine davon erbte meine Gitarre). Ein Schwatz, ein Hug und ab ins Taxi. Zum letzten Mal der Frage, ob ich nächstes Jahr wieder komme (die Taxifahrerin hatte mich an der Ausgrabung gesehen), mit einer Nicht-Antwort bestrafen (We’ll see, I’d like to, oder so). Aber ich weiss es wirklich nicht. Vielleicht ist es gut, dass es einmalig bleibt, weil es seinen Wert behält. Und es gäbe noch manches. Vielleicht aber wären zwei, drei Wochen hier an der Ausgrabung tatsächlich auch eine Möglichkeit, etwas Begonnenes weiterzuführen. Etwas, das mich sehr bereichert hat. Und das Inselleben ist verführerisch. Und die Menschen hier auch.
Nun denn, die Kartonkiste mit dem Velo war etwas grob für den kleinen Flughafen, aber alles klappte tadellos. Sie passte nur nichts ins Röntgengerät, also musste ich die Kiste nochmals öffnen. Und beim Einchecken waren die Flughafenleute wirklich grosszügig, ist ja wirklich komisch: zwei grosse Koffer, beide mit Übergewicht, ein Velo und das kostet nur gerade 30 Pfund Aufpreis. Wieso das so billig sei, wollte ich wissen. Die Dame hinter dem Tresen sagte nur, das stehe so auf ihrem Bildschirm, das stimme schon.

Und schon ging es zum Flugzeug in der schönsten Mittagssonne.
Bye bye Orkneys.

