Die letzte Ausgrabung

Erdbeeren. Ja klar, die paar Erdbeerpflanzen können wir gut schützen, auch wenn wir Ihren Garten umpflügen auf der Suche nach einer mittelalterlichen Mauer. Bertie, so rund seit einer Generation pensioniert und wohnhaft in Birsay im Norden, nennt einen kleinen Garten sein eigen, mehrheitlich verwildert; aber eben mit etwa zwölf Erdbeerpflanzen, die ihm am Herzen liegen. Zwar kommt ihm da die Uni gerade recht, die mit ihren Archäologen einen mittelalterlichen Palast sucht, der unter den Häusern liegen soll. Böse Zungen sagen zwar, dass der Palast in die Häuser und die umgebenden Mauern integriert wurde, indem die behauenen Steine rezykliert wurden. Nun, vieles ist möglich. Aber gegraben wird sowieso. Ich machte da drei Tage noch mit, um die Werkzeuge nochmals zu benutzen und weil es halt auch Spass macht. Also, als erstes mal die Erdbeeren einzäunen.

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Und dann die oberste Schicht abtragen. (Währenddem ich schreibe, redet im Radio Iggy Pop, der sein eigene Sendung hat und Bands spielt wie «Hope Sandoval And The Warm Inventions» oder «The Gories». oder Archie Shepp) Zurück zur Gartenarbeit. Dann wird einfach sorgfältig Schicht für Schicht abgegraben. Nein, ich habe keine anderen Hemden als karierte.

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Foto: UHI

Und immer wieder von einem Ende des Grabens an den anderen runterschaben. Die gelben Eimer werden so einen Tag lang auch nicht leichter. Aber das schlimmste war, dass irgendwann ein Schicht Flugsand auftauchte, und das war dann wie Sandkastenaufräumen. Und zu finden gab es auch nicht wirklich toll viele Dinge. Immer wieder mal Knochen, Muscheln vom nahegelegenen Meer, so etwas wie eine alte Türfalle. Das beste war noch der längliche geschliffene Stein, der ein Werkzeug hätte sein können. Aber festlegen will sich da auch niemand.

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Also gruben wir mal weiter.

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Foto: UHI

Und irgendwann am Dienstagabend kamen dann die ersten grösseren Steine zum Vorschein, mit viel gutem Willen könnte es Teil einer eingestürzten Mauer sein. Aber auch da galt: Hm, well, seems to be interesting, but who knows, let’s dig deeper and have a look …img_1885

Währenddessen, 12 Meter davon entfernt, hinter einer Gartenmauer. Ian, der hier einen kleinen Shop betreibt, will hinter seinem Haus einige Steinplatten neu verlegen und hat die oberste Schicht Erde weggenommen. Waseliwas findet er da nach 10 Minuten?

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The wall. Also graben dann einige dort weiter, was sich auch wirklich lohnt. Und die Freiwilligen und Studierenden graben im Garten und in neuen Löchern weiter, da die Hoffnung ja auch auf den Totenbettern der Archäologen als letzte stirbt. Und in Ians Hinterhof zeigte sich dann die Mauer in ihrer ganzen Pracht.

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