Am 10. Februar 1877 traf eine Flaschenpost auf Orkney ein. Aufgegeben hat sie ein John Sands, und zwar zehn Tage zuvor auf der Inselgruppe St. Kilda, die zu den äusseren Hebriden zählt.

Sands schrieb, dass Kapitän und sieben der Crew eines österreichischen Schiffes («Peti Dubrovacki»), das auf dem Weg von Glasgow nach New York war und vor der Insel im schlechten Wetter sank, sich auf St Kilda hätten retten können. Dort wohnten und lebten zwar Leute, aber auch eher schlecht als recht. So bat Sands in der Flaschenpost um Hilfe und Weiterleitung ans österreische Konsulat in London. Das kam Sands irgendwie gelegen, denn eigentlich wollte er auch weg, aber dort legten kaum Schiffe an und wenn eines kam, verunmöglichten Wind und Wetter oft das Anlegen. Aber von Orkney aus wurde dann Hilfe organisiert und alle kamen nach Hause. Ausser den Leuten von St Kilda, die blieben, versorgt mit etwas Mehl und anderen Vorräten. Aber ab dann wussten sie, wie sie ihre Nachrichten an schottische Festland senden konnten (man spricht von einer Erfolgsquote von bis zu 80 % Prozent, mit der die Flaschen ans Festland gelangten, in Schottland oder – weniger geeignet – in Norwegen.

Bild aus „With nature and a camera“, Richard Kearton, 1898
Die Leute von St Kilda wurden dann aber alle 1930 evakuiert, da die Lebensverhältnisse zu schwierig waren (oder weil man Platz und Ruhe brauchte für die militärische Einrichtung, die auch noch heute dort ist). Die Inselgruppe ist übrigens eines der wenigen UNESCO-Weltkulturgüter, die doppelt ausgezeichnet sind, wegen der Natur sowie der kulturellen Werte.
Eine weitere Beziehung zwischen den äussern Hebriden und den Orkneys besteht darin, dass vor einiger Zeit eine Familie von dort nach hier (auf die nördlichste der Orkneys, nach North Ronaldsay) zog. Deren jüngste Tocher war in den letzten Jahren die einzige Schülerin der Schule auf der Insel (die Lehrerin flog jeweils für drei Tage ein). Nun wird die Schule jedoch geschlossen, und das ist wohl für jede Insel – wie auch für Bergtäler – immer ein schlimmer Moment. Das ETH Studio Basel würde das vielleicht eine «maritime Brache» nennen … Nun wird die Schule eingemottet, bis dann wieder mal eine Familie hierherzieht. Oder sich London per Flaschenpost vernehmen lässt (Flaschen habe es dort nach Meinung der Schotten genug). Auf alle Fälle schaffte es die Geschichte bis in die Times und andere Qualitätsblätter.
Die Nachbarinsel von North Ronaldsay (das ist übrigens dort, wo die Schafe von den grünen Wiesen auf das Meeresufer weggesperrt sind und Algen fressen) ist Westray (wo der gute Käse herkommt). Dort, so erzählte mir Fraser, mit dem ich zusammen arbeite und der 35 Jahre lang Lehrer war hier, seien beim Rückzug der spanischen Armada (1588) nach dem Überfall auf England spanische Seeleute gestrandet. Da der Rückweg nach Hause nach der Niederlage gegen die englische Flotte durch den Kanal verunmöglicht war, segelten die Spanier halt oben durch. Offenbar schafften das nicht alle Schiffe und eines lief auf und sank, und einige Seeleute konnte sich retten. Seither habe es dort oben auf der Insel bestimmte Familien, die leichter erregbar seien als alle anderen, dunkleren Teint haben als die anderen. Und man nenne sie ihrer Herkunft wegen «the Dons». Es gebe sie heute noch.