Hast du die Pneus gesehen? Wieviele waren das wohl?
Welche Pneus?
Magst du dich nicht erinnern? Look:

Ja, gut, wie über jedem rechtem Futtersilo vor der Erfindung des rotierenden Graseinpackers. Und was ist darunter?
Geschichte. Die Ausgrabung eines Komplexes von Strukturen und Mauern, aus verschiedenen Epochen, übereinander und ineinander gebaut. 2003 zufällig entdeckt beim Pflügen. Seither in Etappen ausgegraben während jeweils zwei Monaten im Sommer. Die ältesten Strukturen sind rund 3300 Jahre vor Christus erbaut worden; rund 300 Jahre später kamen dann weitere Strukturen (eigentlich sind es Gebäude dazu, die jetzt ausgegraben werden) dazu sowie eine gigantische sechs Meter dicke Mauer darum herum. Aber 500 Jahre später ist es auch schon fast wieder vorbei, die grösste Struktur wird verlassen, aber nicht bevor sie mit Hunderten von Rinderknochen verziert wird. Eine Riesenabschiedsparty? Andere Gebäudeteile und Mauern werden wiederverwendet für andere Bauten. Und das alles im Herzen der Orkney-Inseln als Teil des Ensembles von Steinzeit-Denkmälern, das UNESCO-Weltkulturerbe ist.
OK, wenn ich die Pneus weghaben wollte, würde ich etwa 30 bis 50 Archäologinnen und Archäologen aus ganz Europa einladen, ein paar Masterstudenten und Postdocs dazu nehmen und den einen oder anderen Freiwilligen und den Gummi dann mal sauber stapeln. Ich würde auch schauen, dass einer der Masterstudenten ein Video davon macht und das würde ich dann auf Youtube stellen.
Und nach fünf Stunden mit Wasser und Rattenkot und trockenem Gras und Schnecken gefüllten Pneus tragen, rollen und stapeln sieht das dann so aus:

Eine fast hektarhgrosse Fläche ist mit Plastikplanen abgedeckt. Alle trocknen, rausziehen, falten (bei starkem Wind eine lustige, fast New Games-mässige Aktivität, aber die jungen Leute kennen das nicht mehr). Dann kommt hervor:

Diese einmalige Konstellation, über die die BBC zu Beginn dieses Jahres zur besten Sendezeit einen Dreiteiler brachte, der die Hypothese hatte, dass dieser Ort damals so etwas wie die spirituelle Hauptstadt Britanniens war. Die Meinungen dazu hier sind sehr gespalten: Einige bedenken die Gratis-PR, andere ärgern sich immer noch über die Art und Weise, wie gefilmt wurde. Und die Archäologen wissen auch nicht recht, ob da was dran ist oder nicht. Drum graben sie ja.
Und ja, Sandsäcke. Zum Befestigen sensbiler Strukturen. Die müssen auch noch raus.

Aber nun zeigen sich die Strukturen und die sorgfältig gemachten Mauern. Alle dieser Steine, die teilweise – wiederum mit anderen Steinen – geschliffen oder gar mit Mustern verziert wurden, sind sorgfältig zu Mauern geschichtet. Die Gebäude waren vielleicht auch mit Steinziegeln bedeckt. In der Mitte ist meist eine Feuerstelle auszumachen (Feuer wurde mit Treibholz, Torf oder Mist gemacht, und vielleicht hatte es damals noch einige Bäume, aber die waren dann sicher schnell weg …).



Das (oben) ist ein neuer Sondiergraben, der vor drei Jahren in einen nahegelegenen Hügel gegraben wurde. Es ist ein vier Meter hoher und 70 Meter breiter Schutt- und Abfallhügel (steinzeitmässig gesprochen) und darunter kamen letztes Jahr Gebäudelemente zum Vorschein, die vielversprechend sind (um mit einiger Spekulation verbunden, da auch das Alter noch unklar ist).
Ein Fazit schon mal: Die Archäologinnen und Archäologen, die sehen die Arbeit.

Bild: Simon Gray

Bild: Simon Gray